Westlicher Weg des Yoga in Schöneberg – Körperarbeit nach Goralewski & Gindler 2017-05-10T11:19:10+00:00

Westlicher Weg des Yoga in Schöneberg – Körperarbeit nach Goralewski & Gindler
Two beautiful young women doing yoga class in nature.

Ein westlicher Weg des Yoga – Körper-Bewusstseinsschule in Anlehnung an Goralewski und Gindler

Yoga Schöneberg. Diese Körper-Bewusstseins-Schule ist ein westlicher Weg des Yoga und daher ein Weg der Selbsterkenntnis. Zur Selbsterkenntnis führen hierbei unter anderem die Erforschung des Atems und des Körpers mittels bestimmter Aufgabenstellungen und Übungen. Dies erleichtert uns im Westen Geborenen den Zugang und das Begreifen.

Es gibt viele Verbindungen und Überschneidungen zu den Lehren der alten Siddhas (indische Gelehrte und durch yogische Praxis erwachte Meister), die die östlichen Wege des Yoga lehrten.

Was geschieht in dieser Körper–Bewusstseins-Schule auf diesem westlichen Weg des Yoga?

Durch sehr genaue Wahrnehmung erkunden wir, wie eine Bewegung abläuft. Wir probieren, wie wir eine Bewegung mit möglichst wenig Druck und Anstrengung ausführen können.

In dieser Arbeit geht es nicht darum, etwas gut oder richtig zu machen, sondern sorgfältig wahrzunehmen, was geschieht und geschehen möchte. Wir bewegen uns oft ganz langsam. Dies unterstützt uns in der Wahrnehmung dessen, was passiert.

Wir erarbeiten uns einen bewussten Zugang zu uns und zu unserem Körper durch die Wahrnehmung der inneren und äußeren Vorgänge unseres Körpers. Wir führen einfache Übungen und Bewegungsabläufe ganz bewusst aus. Wir widmen uns der Erforschung von Alltagsbewegungen, wie dem Liegen, dem Stehen und dem Gehen. Wir erforschen, wie uns alltägliche Bewegungsabläufe stärken und stützen können, statt uns müde werden zu lassen.

Wir beobachten das Zusammenspiel von Atem, Stimme und Bewegung und nehmen deren wechselseitige Beeinflussung wahr. Dem Bewegungsapparat und vor allem der Wirbelsäule kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Wir erleben, wie sie wieder beweglich wird, wie unsere Knie wieder flexibel werden, unser Becken sich aufrichtet und unser Atem sich vertieft. Unsere Stimme findet zu ihrem eigenen Wohlklang und unser Gemüt wird heiter.

Was bewirkt diese Körper–Bewusstseins-Schule?

Die Körper–Bewusstseins-Schule kräftigt und nährt uns im Alltag, die Bewegungen werden geschmeidig, Erdung stellt sich ein. Sie befähigt die Übenden, sich bei vielen körperlichen Beschwerden, wie z.B. Rückenschmerzen und Kopfschmerzen selbst zu helfen. Sie stärkt das Wohlbefinden, die Gesundheit und regt die Selbstheilungskräfte an.

Östliche Wege des Yoga – die Lehren des Patanjali und anderer alter Siddhas

Indische Gelehrte und durch yogische Praxis erwachte Meister (Siddhas) schrieben ihr Wissen vor langer Zeit auf getrocknete Palmblätter. Die Inhalte ihrer Texte sind revolutionär und absolut aktuell.

Sie stellen eine immense Quelle des Wissens in Bezug auf den physischen Körper, unsere subtileren Körper, den Atem, den Geist, die Wissenschaft der Kräuter, der Alchemie und der Medizin dar.

Die Siddhas lehren, dass das ganze Universum im eigenen Selbst enthalten ist.

Da sie ihr Wissen und die höchste Verwirklichung in sich selber fanden, beteten die Siddhas keine Gottheiten im Außen an und waren somit auch mit keiner Religion verbunden. Ihre Annäherung an das Göttliche geschah durch die mystische Begegnung mit dem eigenen Selbst, dem Erforschen des eigenen Wesens, mittels Körperübungen, den fünf Sinnen, dem Atem, durch Selbstbeobachtung und Selbsterforschung des eigenen Körpers und Geistes. Durch ihre Praxis erlangten die Siddhas besondere Kräfte (Siddhis) und die Unsterblichkeit des Körpers.

Frieda Goralewski (1893-1989), von allen kurz Gora genannt, war in den zwanziger Jahren Schülerin von Elsa Gindler, ebenso wie Lily Ehrenfried, Moshe Feldenkrais, Elfriede Hengstenberg, Sophie Ludwig und Charlotte Selver.

Elsa Gindler entwickelte eine innovative Herangehensweise der Körperwahrnehmung und Körperschulung, die von richtungweisender Bedeutung für die neue Zeit war.

Frieda Goralewski gehörte mit ihrem Schaffen zu der Lebensreformbewegung, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum ausbreitete.

Gora entwickelte aus der Arbeit Elsa Gindlers ihre eigene Ausdrucksform, die sie in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch als Ausbildung weitergab. Durch ihr ungewöhnliches und hingebungsvolles Wirken wurde sie in Berlin zu einer Institution. 300-500 Menschen aller Altersklassen, fühlten sich zu ihr und ihrer Arbeit hingezogen und besuchten an sechs Tagen die Woche ihre Gruppenstunden. Ihre besondere Aufmerksamkeit schenkte sie auch immer wieder den schwangeren Frauen. Sie gab ihre Arbeit auch in hohem Alter unermüdlich an ihre Schüler weiter, genau genommen bis zu ihrem Tod mit 96 Jahren.

Die von ihr ausgebildeten Lehrkräfte vermitteln Goras wunderbare Körperarbeit bis heute an ihre eigenen Schüler. Die Arbeit wird durch die Goralewski-Gesellschaft e.V. gefördert. Elsa Gindler (1885- 1961) leistete Pionierarbeit in der „Erforschung des Zusammenspiels von ganzheitlicher körperlicher Wahrnehmung in der Bewegung und ihren Ausdrucksformen“ als Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

Diese etwas umständliche Bezeichnung ihrer Arbeit rührt daher, da sie dieser nie einen Namen geben wollte. Ihre Arbeit, die sich im Suchen der richtigen Spannung und Bewegung in jedem Moment neu entfaltete, sollte nicht durch einen festgeschriebenen Begriff zu einer starren Methode mutieren, der die Lebendigkeit abhanden kommen könnte.
Der Einfluss Gindlers auf die Körperpsychotherapie und die Körperarbeit

Elsa Gindler entwickelte ihre Arbeit zunächst alleine aus sich selbst heraus, später arbeitete sie viel mit dem Musikpädagogen Heinrich Jacoby zusammen, der Gindlers Arbeit in seine Arbeit als Musikpädagoge einfließen ließ und damit weiter forschte.

Die Arbeit Elsa Gindlers beeinflusste stark die damals neu aufkeimende Körperpsychotherapie und Körperarbeit. In den 1930er Jahren arbeiteten unter anderem Elsa Lindenberg, die damalige Frau Wilhelm Reichs und Laura Perls, die Frau von Fritz Perls mit Elsa Gindler. Ihre Erfahrungen mit Gindlers Arbeit hielten dann auch Einzug in die von ihren Männern entwickelten Methoden der Gestalttherapie und der Orgontherapie.

Einige Schülerinnen Elsa Gindlers emigrierten, wie zum Beispiel Charlotte Selver. Diese verbreitete die Methode dann in den USA unter dem Namen „Sensory Awareness“. Die Grundelemente der Gindlerarbeit waren auch bestimmend für die Arbeit von Moshe Feldenkrais, der auch zu den Schülern Elsa Gindlers zählte.

Die Gindler-Schülerinnen, Sophie Ludwig, Elfriede Hengstenberg und Frieda Goralewski, die in Deutschland blieben und in Berlin lebten, gaben ihre eigene Variation der Gindlerarbeit an ihren Schülerkreis weiter.